Dokumentation der Fachtagung zur Suchtprävention, vom Büro für Suchtprävention Hamburg, der LUK Hamburg (Landesunfallkasse )

sowie ingus, am 05.12.2002 :

 

 

Die Einladung

Die Themen

 

 

 

Die Einladung:

 

,,Einer geht noch.......!?"
Wie kann man Beschäftigte mit einem gesundheitsschädigenden und riskanten Alkoholkonsum besser und frühzeitiger erreichen?

 

 

Fachtagung zur Suchtproblematik

 

Termin:

 05. Dezember 2001, 14:00 Uhr bis 17:30 Uhr

Ort:

Haus des Sports
Schäferkampsallee 1, 20357 Hamburg

U-Bahn Schlump, Festsaal

Leitung:

Angelika Nette, Büro für Suchtprävention, Hamburg

Organisation:

Elke Fontaine, LUK Hamburg

Keine Teilnehmergebühr!

 

 

 

Wir laden Sie herzlich ein!


Der Verdienst betrieblichen Suchtarbeit liegt unbestreitbar darin, dass sie ein stark tabuisiertes Thema -,,Sucht und Abhängigkeit"- in der Arbeitswelt platziert hat, und entsprechende Beratungsangebote vorhält. Den Anspruch betrieblicher Programme, Konsumentinnen und Konsumenten mit riskantem und gesundheitsschädigendem Alkoholkonsum, auch im Sinne von Präventionsangeboten anzusprechen, konnte in der Praxis allerdings kaum eingelost werden.
Eine Identifikation mit dem Thema Sucht und Abhängigkeit ist für die Mehrzahl der Beschäftigten, die ,,riskant Alkohol trinken" kaum möglich. Es hat vor allem eine abschreckende und stigmatisierende Wirkung. Deshalb stellt sich die Frage, wie man die Beschäftigtengruppe erreichen kann, die bereits mehr oder minder ausgeprägte Probleme auf grund ihres Alkoholkonsums haben, aber noch nicht abhängig sind. Berufliche Probleme als Folge von Alkoholmissbrauch, erhöhen sehr oft die Bereitschaft der Betroffenen, ihre bisherigen Konsummuster kritischer zu betrachten. In der Regel besteht bei der Mehrzahl der Wunsch, den Arbeitsplatz zu erhalten. Diese Tatsache kann als günstige Ausgangsmotivation für die Inanspruchnahme niederschwelliger, betrieblicher Informations- und Beratungsangebote genutzt werden.
In Hamburg wurde ein überbehördliches Projekt, an der Schnittstelle von betrieblicher Suchtprävention und Gesundheitsforderung entwickelt. Es hat sich zum Ziel gesetzt, die große Gruppe der Beschäftigten zu erreichen, die noch nicht abhängig sind, aber gewohnheitsmaßig ,,zuviel des Guten" konsumieren.
Wir, die Landesunfallkasse Hamburg und das Büro für Suchtprävention nehmen dieses Projekt zum Anlass, um einen Fachaustausch über die Notwendigkeit und Chance niederschwelliger Beratungsangebote für ,,Gewohnheits- oder Vieltrinker" in der Arbeitswelt zu initiieren. Wir setzen damit die Reihe unserer Kooperationsveranstaltungen fort.
Zum Schwerpunktthema der diesjährigen Fachveranstaltung ist INGUS mit dabei und wird direkt über das Hamburger Projekt informieren.
Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!
 



Die Themen


 

 

Der bevölkerungsbezogene Ansatz zur Minimierung von Suchtgefahren am Beispiel von Alkohol

Rolf Hüllinghorst, Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle gegen die Suchtgefahren, Hamm

 

Alkoholkonsum als Gesundheitsrisiko - was ist medizinisch gesichert?

Dr. Michael Peschke, Leiter des AMD - Arbeitsmedizinischer Dienst der Freien und Hansestadt Hamburg

 

Betriebliche Frühintervention als Motivationsprozess - Veränderungsschritte unterstützen und fachlich begleiten!
Gabriele Brandl, Betriebliche Sozialberaterin an der Universität Bonn, Trainerin im Bereich Kommunikation, Sucht am Arbeitsplatz und Systemische Organisationsentwicklung

 

Das Hamburger Projekt ,,Lieber weniger" der initiative gesundheit und suchtprävention ingus
Vertreter/innen von ingus, Hamburg

 

Abschlussveranstaltung

 


 

Angelika Nette, Büro für Sucht-Prävention Hamburg

Elke Fontaine, LUK Hamburg
 

 
FACHTAGUNG ZUR SUCHTPRÄVENTION


Landesunfallkasse Hamburg und Büro für Suchtprävention
in Zusammenarbeit mit ingus
 

 

Büro für Suchtprävention

 

 

 

 

 

„Einer geht noch.....!?“ 

 
Fachtagung der Landesunfallkasse, dem Büro für Suchtprävention und INGUS am 5.12.01 in Hamburg

 

Wie kann man Beschäftigte mit einem gesundheitsschädigendem und riskanten Alkoholkonsum besser und frühzeitiger erreichen

 

Es ist noch gar nicht so lange her, da galt in Deutschland die Totalabstinenz als ausschließliche Lösung für Alkoholabhängigkeit. Als dann eine schon in den 70er Jahren entstandene, alternative Idee, nämlich die des planmäßigen reduzierten Trinkens, des sog. „Kontrollierten Trinkens“ erneut in die Fachöffentlichkeit getragen wurde, gab es in der deutschen Suchtkrankenhilfe einen Aufschrei der Empörung. Mit dieser Alternative zur Abstinenz würde nur eine Scheinlösung „vorgegaukelt“, in Wirklichkeit handle es sich um eine „böse Falle“; kontrolliertes Trinken sei bestenfalls ein „Traum“. Inzwischen hat sich diese sehr emotional geführte Debatte beruhigt und die Polemiken weichen sachlichen Auseinandersetzungen (vergl. Sucht Nr. 47, Neulandverlag, Geesthacht 2001; „Gibacht“, Zeitschrift d. Fachklinik Furth im Wald, Nr. 22/2001).

In Hamburg haben wir, d.h. Beschäftigte des Öffentlichen Dienstes, uns schon seit 1999 zusammengetan und gemeinsam und behördenübergreifend Angebote zur Suchtprävention erarbeitet. Mit diesem Zusammenschluß in INGUS (Integration Gesundheitsförderung und Suchtprävention) haben wir uns auch mit Programmen zum reduzierten Trinken beschäftigt und ein eigenes Projekt „Lieber Weniger“ entwickelt.


Am 5. Dezember 2001 konnte dieses Projekt einer großen Fachöffentlichkeit vorgestellt werden. Zu dieser Tagung waren der Leiter des arbeitsmedizinischen Dienstes der Freien und Hansestadt Hamburg, Herr Dr. Michael Peschke, Gabriele Brandl von der Universität Bonn und der Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle gegen die Suchtgefahren(DHS), Rolf Hüllinghorst,  und wir von INGUS eingeladen worden. Die Aufmerksamkeit für diese Thematik war so groß, daß das Motto der Veranstaltung „Einer geht noch...“ leider nicht für alle Interessierten galt. Weit mehr als die 150 der zugelassenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Betrieben und der öffentlichen Verwaltung wollten die Veranstaltung besuchen, mußten jedoch leider eine Absage bekommen.

Rolf Hüllinghorst beschrieb in seinem Einleitungsreferat einen deutlichen Wechsel in der Ausrichtung der Suchtkrankenhilfe: nicht mehr nur die Suchtkranken dürfen die Zielgruppe präventiver und behandlerischer Maßnahmen sein, sondern insbesondere Menschen, die sich durch ihren Alkoholkonsum gefährden, aber im eigentlichen Sinne nicht suchtkrank sind. Diese Gruppe der Nichtsuchtkranken müsse durch geeignete Angebote angesprochen werden. Abstinenz könne deshalb nicht mehr das einzige Behandlungsziel sein; Schadensminimierung stünde als ergänzendes Angebot und Interventionsziel gleichrangig daneben.

Im weiteren Verlauf der Tagung präsentierten Mitglieder von Ingus ihren Zusammenschluß und ihr Projekt  „Lieber-Weniger“. An der überaus positiven Reaktion der Teilnehmerinnen und Teilnehmer – allein 30 Betriebe und Institutionen meldeten am Infostand von Ingus ihr Interesse an den Arbeitsmaterialien zu „Lieber-Weniger“ an – wurde das Bedürfnis nach alternativen Angeboten zur abstinenzorientierten Suchtkrankenhilfe erkennbar.

So war diese Veranstaltung nicht nur Ausdruck einer inzwischen sachlich geführten Debatte um Programme zum reduzierten Trinken, sondern auch ein guter Start für die konkrete Anwendung und Verbreitung von „Lieber-Weniger“ im Öffentlichen Dienst und anderswo.

Erfreulicherweise hat sich ein, zugegebenermaßen fiktiver, Teilnehmer der Veranstaltung gefunden, der bereit war seine Eindrücke über INGUS und „Lieber-Weniger“ zu schildern. Aus dem Echo, daß wir nach der Veranstaltung erhalten haben, ist zu vermuten, daß  es sich auch durchaus so abgespielt haben könnte:

Der Kollege Walther P. (51) bei der Vorstellung von INGUS und dem Projekt „Lieber-Weniger“ 

Guten Tag, ich heiße Walther P., bin 51 Jahre alt und arbeite in einer hamburgischen Behörde. Ich gehe jeden Tag meiner Arbeit nach und fehle nicht häufiger als meine Kollegen. Ich falle auch sonst nicht weiter auf. Abends entspanne ich mich bei mehreren Gläsern Bier oder Wein; aber auch daran finde ich nichts ungewöhnliches. Was soll ich also mit der Suchtberatung meiner Behörde anfangen? Jetzt habe ich aber von einer Veranstaltung gehört, auf der ein Projekt „Lieber-Weniger“ vorgestellt werden soll. Weil man gar nicht erst suchtkrank sein muß, um sich gesundheitlich zu schädigen. Dafür soll es schon reichen, wenn man als Mann mehr als 5 Gläser Bier am Tag trinkt. Schädigen will ich mich durch mein Trinken natürlich nicht. Die Gruppe INGUS hat vielleicht auch für Menschen wie mich Informationen, wie ich meine Gesundheit nicht gefährde, ohne ganz auf Alkohol verzichten zu müssen. Denn das möchte ich eigentlich auch nicht. Na, mal hören, was die von INGUS zu sagen haben.

INGUS, klingt ja wie eine Mischung aus Ingo und Gustav!  

Aha, der Name soll für  den Zusammenschluß von ca. 30 Kolleginnen und Kollegen aus Behörden und Einrichtungen des Öffentlichen Dienstes stehen und bedeutet Integration von  Gesundheitsförderung und Suchtprävention. Integration, das ist ja wohl das neue Zauberwort und was soll das nun sein?   Schau an, da krieg` ich doch glatt ein Foto von einigen INGUS-Kolleginnen und Kollegen zu sehen. Normalerweise erfährt man ja nie, wer hinter so einer Organisation steckt; nun weiß man doch schon mal, wie die aussehen. Eigentlich ganz nett, und in guter Stimmung sind sie offenbar auch. Da soll noch mal einer sagen in den Behörden blieben Lebendigkeit und Spaß auf der Strecke.

Die Leute von Ingus hätten die Erfahrung gemacht, daß sich die Freude über ihre Arbeit ganz von selber einstellen würde, wenn man nicht nur redet, sondern auch handelt. Und so haben sie mehrere konkrete Projekte begonnen, bei denen sie gemeinsam behördenübergreifende Angebote zur Suchtprävention und Gesundheitsförderung entwickelt haben. Z.B. Führungskräfteschulungen, Suchtkrankenhelferausbildung, Weiterbildung für Suchtfachleute und ein Programm zum reduzierten Trinken von Alkohol. An dem letzteren sind sie schon eine ganze Weile zugange. Sie meinen, ohne die aktive Teilnahme aller wären sie nie so weit gekommen und diese Veranstaltung mit so vielen interessierten Teilnehmerinnen und Teilnehmern hätte es auch nicht gegeben.

 

 

Das stimmt, ich hätte nicht gedacht, daß sich außer mir noch so viele Menschen für dieses Thema interessieren.

Funktionieren würde die Zusammenarbeit deshalb so gut, weil jeder mit seinen speziellen Fähigkeiten zum Gelingen des Projektes beigetragen habe. 

So sei schließlich qualitativ mehr dabei herausgekommen, als die bloße Addition der Einzelkräfte vermuten ließ. Das folgende Schaubild soll diese Wirkung verdeutlichen:

Ingus als  Beispiel und Ausdruck für eine gelungene Vernetzung und Integration unterschiedlicher Kompetenzen.                    

(Die einzelnen Kompetenzen der unterschiedlichen Akteure sind willkürlich gewählt; es gibt natürlich auch Überschneidungen und/oder Doppelkompetenzen.)

 

 

Projekt

Entwicklung eines Programms zur Verringerung des Alkoholkonsums

Akteure

Betriebliche Suchtprävention

Behörden

andere Einrichtungen

Oberfinanz-direktion

Beh. f. Inneres

Beh. Wiss.+ Forschung

LBK

AMD

PA

PE

Kompetenz-bereitstellung

Öffentlichkeits-arbeit

Handbuch

Konzept

Internet

Webside

Motivation

Marketing

Org.  Fort-bildung

Kompetenz-verfügung

Programm "Lieber Weniger"

Also, das ist gemeint mit der Aussage, die Summe ist mehr als die Addition der Einzelteile. Und erst über dieses Projekt sei es gelungen Ressourcen der einzelnen Kolleginnen und Kollegen zu entdecken und zur Entfaltung zu bringen, die zuvor brach lagen und nicht oder nur kaum genutzt wordenwaren. Und dadurch hat das Projekt seinen spezifischen Schub und eine besondere Kraft, die für ein so langfristig angelegtes Projekt erforderlich ist, entwickelt. Und der Spaß sei auch nicht zu kurz gekommen. Das merkt man, finde ich.

Und begonnen hat alles im Nov. 99 mit der Jahrestagung der Deutschen Hauptstelle gegen die Suchtgefahren. Dort hat sich ein deutlicher Wandel und eine Neuorientierung der Suchtkrankenhilfe abgezeichnet. Nicht mehr nur um suchtkranke Beschäftigte sollte es gehen, weil es für die ohnehin schon sehr wirksame Hilfen und Programme gäbe, sondern auch um Menschen, die nicht abhängig sind.

 

Und ich dachte immer, es geht nur um die Suchtkranken. Aber dann ja dies Programm gar nicht mehr ausschließlich mit Sucht zu tun. Ach so, das soll es auch gar nicht! Deshalb Integration der Suchtprävention in die Gesundheitsförderung. Menschen mit einem gesundheitsgefährdenden Konsum in Betrieben sind die neue Zielgruppe. Weil nämlich nur ein rel. geringer Teil der trinkenden Menschen auch tatsächlich abhängig werden. Das soll das folgende Schaubild zeigen:

 

Modell eines graduell ansteigendenTrink-Risikos:

 

          

 

suchtkrank

und

gesundheitlich stark

belastet

Gruppe suchterkrankter

Konsumenten

mit gesundheitlich

stark belastenden Folgen

 

 

 

gesundheitlich stark

belastet

Gruppe gesundheitlich

stark belasteter Risikotrinker,

aber nicht suchtkrank

 

Aber wenn sich die herkömmlichen Hilfsangebote in den Betrieben in erster Linie auf die suchtkranken oder -gefährdeten Mitarbeiter beziehen, fallen ja die meisten Konsumenten als Zielgruppe aus. Denn wer will schon zur Suchtberatung gehen, wenn er gar nicht süchtig ist. Ich jedenfalls nicht! Das heißt aber doch, daß es für die viel größere Gruppe der Menschen, die mehr trinken und sich dadurch gesundheitlich schädigen gar keine richtigen Angebote gibt.

Aha, auch für diese Aussage wird ein Schaubild bemüht:

 

Verhältnis unterschiedlicher Trinkgewohnheiten zu vorhandenen Unterstützungsangeboten

Je größer die Zahl der Betroffenen um so geringer die Angebote

 

Vielleicht könnte das Projekt dieser Gruppe INGUS ja doch ein Angebot sein, das mir nützen könnte. Ich werde mir mal anhören wie das Projekt „Lieber-Weniger“ konkret aussieht. Da heißt es z.B., daß INGUS Informationen auf einer Website veröffentlicht. Da könnte ich ja mal nachsehen, denn am PC sitze ich sowieso ganz gerne und keiner kommt auf den Gedanken, ich hätte was mit Sucht zu tun.

Ich könnte vielleicht auch jemanden aus meiner Behörde ansprechen, der „unverfänglich“ sind. Eventuell jemand aus dem Personalrat oder die Fachkraft für Arbeitssicherheit. Ingus versorgt nämlich  unterschiedliche Funktionsträger, die nichts mit Sucht zu tun haben, mit einer Multiplikatorenmappe. Diese Mappe enthält Informationen über Alkohol und eine Broschüre der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Außerdem sind dort Informationen über weitere Angebote des Projektes „Lieber-Weniger“ drin. Z. B. ein Gesprächsleitfaden, in dem diese Multiplikatoren erfahren, wie sie ein Gespräch mit mir führen können, das mir auch etwas nützt. Auf Besserwisserei kann ich nämlich verzichten, die erlebe ich schon bei meiner Familie zur Genüge.

Ich könnte natürlich auch zu meiner betrieblichen Suchtberatung gehen und mich über das Projekt informieren; so ganz unverbindlich. Da gibt es die Möglichkeit zu richtigen Beratungsgesprächen, wie ich meinen Alkoholkonsum reduzieren könnte. Aber dazu habe ich im Moment keine Lust; auf die Suchtberatung, meine ich.

Aber jetzt sehe ich gerade, daß man ein Selbsthilfe-Handbuch anfordern kann, in dem steht, wie man es schafft, weniger zu trinken. Vielleicht wäre das ja etwas für mich. Solche Ratgeber lese ich schon mal, die sind ja ganz unverbindlich. Und dieser scheint echt praktisch zu sein: er enthält verschiedene Möglichkeiten, wie ich mein Trinkverhalten einschätzen kann. Außerdem kann ich klären, ob und warum ich etwas daran verändern sollte. Und falls ich mich dazu entscheiden sollte, gibt es viele Ideen und Tipps, wie man so eine Veränderung umsetzen kann. Das finde ich nämlich immer am schwersten. Vielleicht werde ich dieses Handbuch mal anfordern. 

Ach und dann soll es auch noch eine Seminarreihe geben. Ich könnte dort in einer Gruppe von 8-15 Teilnehmern an sechs Abenden lernen, wie ich mein Trinken reduzieren könnte. Die Seminarleiter sollen erfahrene Leute sein. Da die Teilnehmer aus verschiedenen Behörden und Institutionen kommen, werde ich dort wahrscheinlich nicht auf Kollegen treffen. Und Vertraulichkeit wird auch zugesichert. Das ist mir nämlich schon wichtig, daß an meinem Arbeitsplatz niemand auf die Idee kommt, ich hätte ein Problem mit Alkohol. Was machen die da eigentlich in dem Seminar? Ah, da gibt es Informationen zum riskanten Trinken, was das wohl sein soll. Und dann soll ich meine persönlichen Wünsche und Ziele klären und mir vornehmen, wieviel ich in Zukunft trinken will. Das kann ich dann üben und überprüfen.

Außerdem gibt es Tipps, für Notfälle; also was ich tun kann, wenn ich Schwierigkeiten kriege, meine Ziele umzusetzen oder von meinem Plan abweiche. Und dann geht es auch um Alternativen zum Trinken. Ob ich dort wohl erfahre, wie ich mich sonst nach Feierabend entspannen kann? Vielleicht haben der eine oder andere der Seminarteilnehmer ja auch ein paar Ideen. Die haben ja bestimmt auch so ihre Erfahrungen.

Es ist doch gar nicht so schlecht zusammen mit anderen, Ideen zu entwickeln. Vielleicht bekomme ich ja auch neue Kontakte; in letzter Zeit habe ich mich ja ganz schön zu hause vergraben. 

Mensch, das sind ganz schön viele Angebote, die es da so gibt. Ist doch eigentlich alles dabei: von der einfachen Information bis zum Seminar mit anderen in der Gruppe. Und das Beste ist, das mich keiner zwingt. Das kann ich nämlich gar nicht leiden, da schalte ich dann auf stur. Obwohl, merken tut`s ja doch keiner, wenn ich nix mache. Aber das ich mit meinem Trinken meiner Gesundheit schade, das will ich nun auch nicht. Schließlich habe ich mir für die Rente noch einiges vorgenommen. Und dazu will ich schließlich noch fit sein. 

Ich glaube, ich bestell` mir erst mal das Buch. Aber für meinen Kumpel Holger - der arbeitet auch bei der Stadt - für den wäre das Seminar bestimmt was. Der macht doch gerne mal was mit anderen zusammen. Und der säuft ja nun echt! Und  Stress hat er auch schon zu hause – ich erzähle dem mal davon. Vielleicht hat er ja Lust dazu. 

Also, alles in allem, find ich nicht schlecht, was die da von Ingus so entwickelt haben.

 

 

 

    Regina Steffen / Rainer Müller-Broders